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Modellregion für Klimaneutrale Zementproduktion Erwitte / Geseke startet in die nächste Projektphase

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Städte Erwitte und Geseke sowie ein breites Projektkonsortium unter Leitung von Dr. Dirk Brexel gehen geschlossen in die Phase 3 der regionalen Initiative zur Dekarbonisierung der heimischen Zementindustrie

Initiiert wurde das Projekt durch die beiden Stadtoberhäupter Hendrik Henneböhl und Dr. Remco van der Velden bereits im Herbst 2021, um den Herausforderungen der industriellen Transformation der Zementproduktion mit einem Projekt von überregionaler Bedeutung frühzeitig und weitsichtig begegnen zu können. Neben der globalen Aufgabe des Klimaschutzes stehen dabei auch die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Unternehmen und die Wahrung des industriellen Kerns als zentralem Element der wirtschaftlichen Wertschöpfung im Fokus. 

Die erste Projektphase wurde durch das Land Nordrhein-Westfalen gefördert. Im Februar 2024 konnte der interessierten Öffentlichkeit eine fundierte Machbarkeitsanalyse zur Dekarbonisierung der Zementregion Erwitte / Geseke präsentiert werden. Im Zentrum steht dabei die sogenannte CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage). Dabei wird das CO2 direkt im Zementwerk gefiltert und eingefangen. Anschließend wird es abtransportiert und in geeigneten Speicherstätten, zum Beispiel mehrere hundert Meter tief unter dem Meeresspiegel dauerhaft gespeichert. Neben den hohen Investitionen von Seiten der Unternehmen in die Anlagentechnologie und erneuerbare Energieversorgung wird die Anbindung der beiden Standorte an eine Transportinfrastruktur erforderlich.

Für diese zentrale Infrastrukturfrage hat die Projektinitiative in der abgelaufenen Phase 2 eine Reihe von Lösungsansätzen analysiert. Dabei wurde zunächst der Abtransport des CO2 ab Erwitte / Geseke unter Nutzung vorhandener Infrastrukturen wie Schienenwege und Wasserstraßen in den Blick genommen. Die in enger Zusammenarbeit mit regionalen Partnern durchgeführten Untersuchungen haben allerdings zum Ergebnis geführt, dass für das regionale CO2-Volumen letztlich nur ein Pipelinetransport in Frage kommt. Daraufhin hat die Zementregion erste Initiativen entwickelt und Allianzen gebildet, um den Aufbau einer leitungsgebundenen CO2-Infrastruktur auf regionaler Ebene voranzutreiben. Mit dem zwischenzeitlich vom Bundestag verabschiedeten Kohlendioxid-Speicherungs- und Transportgesetzes (KSpTG) sind nun auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Hochlauf einer CO2-Infrastruktur in Deutschland vorhanden.

Die Abschlussveranstaltung zur Phase 2 fand kürzlich in Anwesenheit der Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie und stellvertretenden Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Mona Neubaur, statt. Unter den Gästen waren auch der Landrat des Kreises Soest, Heinrich Frieling, sowie die führenden Vertreterinnen und Vertreter der Zementunternehmen in Geseke und Erwitte sowie des Dachverbandes der deutschen Zementindustrie VDZ. Zentraler Punkt des Austauschs war der gemeinsame Blick nach vorne und die Abstimmung des weiteren Vorgehens zur Entwicklung der Modellregion für klimaneutrale Zementproduktion mit den Zielen und Maßnahmen der Landesregierung.

Im Mittelpunkt der Phase 3 steht nun die weitere Planung einer CO2-Pipeline, mit der unter den gegebenen marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine klimaneutrale Zementproduktionbis 2035 in unserer Region ermöglicht werden soll. Weiterverfolgt wird auch der notwendige Ausbau der regionalen Energieinfrastruktur, der ebenfalls nur regionalpartnerschaftlich gelöst werden kann. Die Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz „NRW.Energy4Climate“ unterstützt das Projekt, indem sie u. a. die relevanten Akteure vernetzt und bestehende regulatorische Rahmenbedingungen analysiert. Die Modellregion wird damit zu einem Leuchtturmprojekt für die klimaneutrale Umgestaltung der energieintensiven Industrie in Nordrhein-Westfalen, deren praktische Erfahrungen und Lösungsansätze als Vorbild dienen können. 

 

Zum Hintergrund: Modellregion für Klimaneutrale Zementproduktion Erwitte / Geseke

Die Zementregion hat einen fossilen CO2-Ausstoß von jährlich rund 2,5 Mio. Tonnen, wovon 2/3 aus dem im Kalkstein gebundenen Kohlenstoff stammen und bei der Verarbeitung zu Zementklinker unvermeidbar freigesetzt werden. Der technologische Pfad zur Entwicklung einer CO2-neutralen Zementproduktion führt daher notwendigerweise über eine energieintensive Abscheidung des CO2 aus dem Abgas der Anlagen, um es anschließend abzutransportieren und unterirdisch zu speichern.   

Gegenstand und Zielsetzung der Initiative ist die regionalpartnerschaftliche Anstrengung zur Etablierung einer Modellregion für klimaneutrale Zementproduktion in NRW. Die Modellregion umfasst die beiden Kommunen Erwitte und Geseke, die fünf Zementhersteller mit Drehofenanlagen in Geseke und Erwitte, den Verein Deutscher Zementwerke als Dachverband der Zementindustrie sowie die Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz „NRW.Energy4Climate“ und wird durch den Kreis Soest eng begleitet.

 

Pressekontakt

Allgemeine Presseanfragen:

Herr Sven Steimann, Pressesprecher der Stadt Erwitte, presse@erwitte.de, mobil 0151 599 27 896

Für inhaltliche Fragen zur Modellregion:

Herr Dr. Dirk Brexel, Projektleiter KNZR Erwitte / Geseke, d.brexel@erwitte.de, mobil 0170 1751118

Foto: Stadt Erwitte